© Benno Werner

© Benno Werner

Krebszeitalter

Das Krebszeitalter

Die verschiedenen Ebenen

der Krebserkrankung

Knaur 1993

ISBN 978 3-426-76040-6

Manchmal sind es Geschichten und Anekdoten, die uns die Welt auf einfache Art und Weise erklären und dennoch ein tiefes Verständnis ermöglichen. Eine dieser Geschichten  möchte ich hier kurz erzählen. Sie spielt im alten Griechenland. Damals war es üblich, dass die Philosophen sich gegenseitig zu öffentlichen Disputen herausforderten, um den besten und scharfsinnigsten unter ihnen zu ermitteln. Zenon war einer von ihnen. Von ihm stammt die Geschichte „Vom Wettlauf zwischen Achill und der Schildkröte“. Da Achill sich siegessicher wähnte, gewährte er der Schildkröte einen Vorsprung von 10 Metern. Als der Startschuss fiel, benötigte Achill eine gewisse Zeit, um diese 10 Meter zu überwinden. Diese Zeit nutzte die Schildkröte um ihrerseits eine gewisse Wegstrecke zurückzulegen, sagen wir 5 Meter. Im nächsten Schritt musste Achill diese 5 Meter zurücklegen, aber auch dieses Mal kam die Schildkröte weiter voran - 2,5 Meter. Sie ahnen es schon, bis Achill diese 2,5 Meter hinter sich gebracht hatte, war die Schildkröte abermals eine gewisse Wegstrecke weiter gelaufen. Und so weiter und so fort. Schlussendlich, so der Höhepunkt der Geschichte, kann Achill die Schildkröte nie überholen, weil diese nie stehen bleibt. Der Abstand wird zwar immer kleiner, aber da dieser unendlich klein werden kann, kommt es nie dazu, dass Achill die Schildkröte überholt.

Obwohl dieser Gedankengang durchaus logisch erscheint, führt er zu einem vollkommen falschen Ergebnis. Das war natürlch auch Zenon bewusst. Sein Ziel war es, seine Gegner zu verunsichern, um als Sieger aus dem Wettstreit hervorzugehen. Die falsche Logik, die hier angewendet wird, ist die, dass die Ganzheit - die ganze Strecke - zugunsten eines Teilaspektes - einem Punkt - aufgegeben wird. Der Nachdenkende verliert somit die Orientierung, verliert Start und Ziel aus den Augen, und verliert sich  in der Unendlichkeit der Verkleinerung. Nur das absurde Resultat lässt uns erkennen, dass hier irgendetwas nicht stimmt.

Die Schulmedizin hat sich die ausschließlich punktuelle Betrachtung leider zueigen gemacht. Ihre Untersuchungsmethoden wurden im Lauf der Zeit immer subtiler. Dabei ist sie in immer kleinere Bereiche des Körpers vorgedrungen, bis hin zu Zellen, Zellorganellen, Genen und Gensequenzen. Sie stellt fest: die Ursache für Krebs liegt in der Krebszelle. Wenn es gelingt, diese zu vernichten oder operativ zu entfernen, ist der Mensch geheilt.

Das klingt logisch, allerdings sind die Ergebnisse der Krebstherapie  nach wie vor nicht zufriedenstellend.  Die vielgelobte Chemotherapie und auch die Bestrahlung haben dramatische, unerwünschte Wirkungen. Paradoxerweise wirken sie kanzerogen, d.h. sie verursachen, langfristig gesehen, Krebs. Trotz aller kolportierten  Erfolge, sterben jedes Jahr immer noch etwa 200.000 Menschen an Krebs.

Nicht zuletzt deshalb mehren sich schon seit geraumer Zeit die Stimmen, Krebs nicht mehr punktuell, sondern ganzheitlich zu begreifen. Krebs ist kein lokales Geschehen, dass auf ein Organ oder gar eine einzige Körperzelle beschränkt ist. Krebs ist ein systemisches Krankheitsbild, das den Menschen in seiner Ganzheit betrifft. Deshalb muss der Mensch auch als Ganzes therapiert werden und nicht nur ein Teil von ihm.

Und hier setzt das Buch an. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die Ganzheit des Menschen darzustellen und diese vielschichtige Ganzheit in die Therapie mit einzubeziehen. Zugegeben, keine leichte Kost für den Leser, aber eine lohnenswerte. Je weiter er sich voranarbeitet - im wahrsten Sinne des Wortes - desto größer wird seine Einsicht in die Zusammenhänge seiner eigenen, komplexen Wirklichkeit.    zurück

Benno Werner


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