© Benno Werner

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Benno Werner


Mozartstr. 16

68161 Mannheim

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Gesund bleiben im Rhythmus der Jahreszeiten

Natürlich leben mit SeasonIn

Lüchow  2007

ISBN 978-3-363-03132-4

Wie man in der chronobiologischen Forschung mittlerweile nachweisen konnte, folgt der menschliche Organismus den rhythmischen Bewegungen in der Natur. Die Winterdepression und die Frühlingsgefühle sind bekannte Beispiele dafür. Aber auch die Aktivität unserer Organe und die Funktionen unseres Stoffwechsels verändern sich ständig. Physiologische Parameter wie Blutdruck, Blutvolumen, Blutzucker, Choles-terinspiegel, Harnausscheidung und viele andere mehr, die in der Schulmedizin bislang als konstante Größen angesehen werden, unterliegen auffallenden Schwankungen. Jede Jahreszeit geht mit einer speziellen physiologischen Konstellation, aber auch mit einem eigenen seelisch-geistigen Gestimmtsein einher.

Wer die Natur verstehen will, der muss die Zeit berücksichtigen. Sie ist ein wichtiger Faktor des Lebens, vielleicht sogar der wichtigste. Und genau an diesem Punkt setzt dieses Buch an. Es begreift das Leben als einen dynamischen Prozess, der ständigen Veränderungen unterworfen ist. Gesundheit ist demnach die Fähigkeit, sich diesen Veränderungen anzupassen. Synchronizität und Harmonie sind Begriffe, die dabei eine zentrale Rolle spielen. Wir kennen sie aus der Evolutionsforschung. Wie man heute weiß, hat sich im Lauf der Zeit nicht das größte oder stärkste Lebewesen durchgesetzt, nicht das schnellste und auch nicht dasjenige, das am weitesten springen konnte, sondern einzig und allein dasjenige, das sich an die äußeren Bedingungen am besten anpassen und eine ökologische Nische besetzen konnte. Harmonie mit der Umwelt war der Schlüssel zum Überleben für Pflanzen, Tiere und Menschen. Sie ist auch das Fundament unserer Gesundheit. Wohl aus diesem Grund schrieb Hippokrates, der Begründer der westlichen Medizin: „Wer der ärztlichen Kunst in der richtigen Weise nachgehen will, der muss über die Jahreszeiten und über die Wirkungen nachdenken, die von jeder einzelnen ausgehen können... Denn sie gleichen einander in keiner Weise, sondern unterscheiden sich sehr, sowohl untereinander wie in der Art ihres Übergangs.“ (Corpus Hippocraticum)

Dieses Buch beschreibt die einzelnen Jahreszeiten, wie sie auf unseren Organismus einwirken und wie sie die Funktionen unserer Organe und unseres seelischen Befindens beeinflussen. Hieraus ergeben sich logische Schlussfolgerungen für die gesunde Ernährung, für die richtige Anwendung von Heilkräutern, für die optimale Gestaltung der Gesundheitsübungen und natürlich auch für die richtige Auswahl der therapeutischen Methoden.

Bei den Tieren und auch bei den Pflanzen sind uns diese Zusammenhänge durchaus bewusst. Niemand würde auf die Frage, wie ein Schneehase aussieht, eine voreilige Antwort geben. Im Winter sind Schneehasen nämlich weiß und im Sommer braun. Für die Laubbäume gilt dasselbe. Wie sieht eine Rosskastanie aus? Die Antworten sind gänzlich verschieden, wenn sie sich auf unterschiedliche Jahreszeiten beziehen. Zu Beginn des Jahres trägt sie Blätter, später kommen Blüten hinzu und im Herbst trägt sie Früchte. Im Winter dagegen sieht sie aus wie ein Skelett. Dann ist sie meist dunkel bis schwarz gefärbt, ohne Blätter, ohne Blüten und ohne Früchte.

Pauschalaussagen beschreiben immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Sie gelten immer nur für einen bestimmten Zeitabschnitt. In der restlichen Zeit aber sind sie unzutreffend und bewirken genau das Gegenteil von dem, was wir uns durch sie erhoffen. Was im Frühling richtig ist, kann im Herbst durchaus falsch sein. Was im Sommer gut für die Tiere und Pflanzen ist, kann ihnen im Winter das Leben kosten.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Tierarzt und haben eine Praxis im Norden Kanadas. Es ist April, die Temperaturen sind angenehm und die Sonne scheint. Plötzlich pocht es an der Tür und ein junger Bär tritt ein. Er klagt ihnen sein Leid. Seitdem er aus dem Winterschlaf erwacht ist, fühlt er sich müde und schlapp. Obwohl er im besten Alter ist und vor Lebenskraft strotzen müsste, hat er keine Ausdauer mehr. Kaum ist er fünfzig Meter gerannt, schnappt er nach Luft und muss sich ausruhen.

Was machen Sie? Klar, sie helfen ihrem Patienten, so gut Sie können. Sie wissen, dass er leistungsfähig sein muss, um seine Beute zu erlegen. Aus diesem Grund verordnen Sie ihm ein homöopathisches Medikament, dass ihn wieder auf die Beine bringt. Vielleicht geben Sie ihm auch eine Spritze, oder Sie raten ihm zu Kneipp´schen Wechselbädern, die den Kreislauf wieder in Schwung bringen. Nach einer ausführlichen Anamnese werden Sie sich für die richtige Therapie entscheiden.

Was machen Sie aber, wenn der Bär mit denselben Symptomen im Oktober in ihrer Praxis erscheint? Machen Sie dann die gleiche Therapie und empfehlen Sie dieselben Medikamente wie im Frühling? Als Tierarzt wissen Sie, dass Bären Winterschlaf halten. Es ist also ganz natürlich, dass sie im Herbst keine Bäume mehr ausreißen können und ihre Leistungsfähigkeit von Tag zu Tag immer mehr nachlässt. Als guter Tierarzt machen Sie natürlich keine Therapie. Sie klären den Bären auf und schicken ihn wieder nach Hause, damit er sich hinlegt, um seinen Winterschlaf zu beginnen. Dieselbe Therapie, die im Frühling so gut wirkt und ihm vielleicht sogar das Leben rettet, könnte im Herbst sein Todesurteil bedeuten. Die Speckschicht, die er sich in den letzten Monaten angefressen hat, ist von Natur aus so bemessen, dass er sich mit ihr, schlafend, über den Winter retten kann. Wenn Sie aber mit einer Therapie in den Kreislauf der Natur eingreifen und ihn von seiner Müdigkeit befreien, sorgen sie dafür, dass er sich in den kommenden Tagen wieder mehr bewegt. Jede Bewegung bedeutet aber einen erhöhten Kalorienverbrauch und einen vorzeitigen Verlust der schützenden Speckschicht. Der Bär würde also verhungern oder erfrieren, wenn er sich im Herbst übermäßig fit fühlen und als Folge davon im Winter zu spät einschlafen würde. Sie als Tierarzt können ihr Ziel, den Patienten gesund zu machen, nur dann erreichen, wenn Sie ihre Therapie im Einklang mit der Natur verordnen.

Für uns Menschen gilt dasselbe. Nahrungsmittel, Heilkräuter, Gesundheitsübungen und therapeutische Anwendungen sind nur dann wirklich gesund, wenn sie in Harmonie mit den Jahreszeiten angewendet werden.   zurück