© Benno Werner

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jeder einzelnen darüber entscheiden, ob sie lebenswichtig ist oder schädlich. Die einen muss er aufnehmen und ins Blut weiterleiten und die anderen muss er dem Dickdarm zuleiten, wo sie ausgeschieden werden. Wie der Darm dieses Kunststück vollbringt ist bis heute noch ein Rätsel.

Viele Menschen leiden an einer Entzündung der Darmschleimhaut. Damit ist nicht Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gemeint, sondern eine Form, die dem Patienten nicht bewusst ist, weil sie nicht mit dramatischen Symptomen wie Durchfall einhergeht. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Barrierefunktion gestört ist. Durch die Entzündung sind die Poren in der Darmwand geweitet. In diesem Zustand können die schädlichen Substanzen nicht mehr daran gehindert werden ins Blut zu gelangen. Man spricht von einem „Leaky Gut“, einem „Durchlässigen Darm“.  Das ist der Anfang eines Teufelskreises, der das Wohlbefinden des Menschen immer stärker belastet. Die schädlichen Substanzen gelangen ins Blut und werden von hier der Leber zugeführt. Diese reinigt das Blut und leitet die schädlichen Substanzen erneut dem Darm zu. Anstatt ausgeschieden zu werden, gelangen sie erneut ins Blut und der Kreislauf beginnt von vorne. Es kommt zu einer progredient verlaufenden Selbstvergiftung (Autointoxikation). Mit der Zeit wird die Leber immer mehr belastet, bis sie schließlich ihre volle Leistungskraft einbüsst und die ersten Symptome entstehen.

Eines davon ist die Müdigkeit, die später in die allgemeine Erschöpfung mündet. In der Folge versucht der Körper die schädlichen Substanzen auf anderem Wege zu entsorgen zum Beispiel über die Haut. Wenn deren Entgiftungsfunktionen dann überlastet sind, kann es zu Hautausschlägen und Hautkrankheiten kommen – zum Beispiel Neurodermitis oder Psoriasis. Auch Allergien spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Werden die Schadstoffe vermehrt über die Lunge  ausgeleitet, kann dies zu Bronchitis und anderen Lungenproblemen führen.


Die Hirnfunktion

Lange Zeit schon spricht der Volksmund vom Bauchhirn, davon, dass Gefühle im Bauch entstehen und das Entscheidungen aus dem Bauch heraus, intuitiv, getroffen werden können. Die Wissenschaft bestätigt diese Ansichten heute in vollem Umfang. Im Darm befindet sich eine Ansammlung von etwa 100 Millionen Nervenzellen, die ihren Schwesterzellen im Gehirn in Form und Funktion gleichen. Es existiert tatsächlich ein Bauchhirn. Man kann es unter dem Mikroskop bestaunen.

Normalerweise ist die Hierarchie in unserem Körper klar festgelegt. Ganz oben, an erster Stelle, steht das Gehirn im Kopf. Es sammelt alle Informationen aus dem Körper und entscheidet darüber, wie die anderen Organe zu reagieren haben. Bei dem Bauchhirn verhält es sich anders. Es funktioniert aus sich selbst heraus und ist nicht unbedingt auf die Anweisungen vom Kopfgehirn angewiesen. Ja es ist sogar so, dass mehr Informationen und Manipulationen von unten nach oben fließen als umkehrt. Zahlreiche Substanzen, die den Gehirnstoffwechsel beeinflussen, werden im Darm produziert. Eine davon ist das „Glückshormon“ Serotonin. Es wird im Darm gebildet, und im Blut zum Gehirn transportiert, wo es seine Wirkung entfaltet. Damit entscheidet sich unser seelisches Wohlbefinden massgeblich im Darm.

Wenn der Darm nicht mehr einwandfrei funktioniert kann auch die Produktion dieser hirnaktiven Substanzen gestört sein. Ängste und Depressionen, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung können hier ihre Wurzeln haben. In der Psychosomatik wird der Darm mitsamt seinem Inhalt mit dem Unterbewusstsein in Verbindung gebracht. Die Ernährung gewinnt vor diesem Hintergrund eine gänzlich neue Bedeutung.


Immunfunktion

Der Darm ist das Zentrum unseres Immunsystems. 80 Prozent unserer Immunkompetenz sind hier angesiedelt. Die Darmflora, ein wesentlicher Bestandteil unseres Immunsystems, besteht aus etwa 100.000 Milliarden Bakterien, wobei man mehr als 400 verschiedene Arten unterscheiden kann. Mit diesen Bakterien leben wir in Symbiose. Wir liefern ihnen regelmässig Nahrung und einen angenehmen, wohltemperierten Lebensraum und die Bakterien sorgen im Gegenzug dafür, dass sich keine schädlichen Mikroorganismen im Darm ansiedeln. Das nennt man Kolonisationsresistenz.

Sollte es einem dieser schädlichen Mikroorganismen – Pilze oder körperfremde Bakterien - dennoch gelingen, diesen ersten Schutzwall zu durchdringen, trifft er augenblicklich auf das darmassoziierte Immunsystem. Sofort wird er von Antikörpern, Fresszellen und anderen Immunzellen angegriffen und vernichtet. Diese allgemeine Abwehrfunktion reicht im Normalfall aus, die meisten Eindringlinge abzuwehren, nicht jedoch alle. In einem solchen Fall tritt die spezifische Abwehr auf den Plan. Sie zerlegt den Angreifer in seine Bestandteile und analysiert ihn. Wenn sie dessen Strategie erkannt hat, entwirft sie eine Gegenstrategie und vernichtet ihn.

Doch damit nicht genug. Die Informationen, die der Darm bei dieser Auseinandersetzung mit dem Eindringling gewinnt, behält er nicht für sich. Sogenannte Botenzellen schwärmen aus und bringen die neuen Erkenntnisse in alle Organe, die mit der Umwelt in Kontakt stehen – Haut, Nasen-Rachenraum, Lunge und Urogenitaltrakt. Sobald der Mikroorganismus nun erneut einen Angriff startet, kann er an allen Pforten zurückgeschlagen werden. Krankheitssymtome sind dann im Normalfall nicht mehr zu erwarten.


Fazit

Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, das chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen, der Bronchien oder der Blase durch einen nicht einwandfrei funktionierenden Darm verursacht werden können. Auch andere Immunkrankheiten wie Allergien, Rheuma und Krebs können hier ihren Anfang nehmen. Wundern Sie sich also nicht, wenn sie eine Darmsanierung empfohlen bekommen, obwohl ihr Leiden auf den ersten Blick nichts mit dem Darm zu tun hat und Sie keinerlei Symptome im Magen-Darm-Trakt haben. Eine große Stuhluntersuchung klärt die Zusammenhänge schnell auf. Sie gibt Auskunft über die Darmflora, das darmassoziierte Immunsystem, die Verdauungs-leistung, die Funktion der Bauchspeicheldrüse und eventuelle Entzündungen. Dank dieser detaillierten Befunde können die entsprechenden Medikamente gezielt verordnet werden.    zurück

Benno Werner


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